Stadtarchiv platzt aus allen Nähten

Das Stadtarchiv in Karlstadt platzt aus allen Nähten. Davon überzeugte sich die Stadtratsfraktion der SPD bei einem Besuch der im Keller des Rathauses untergebrachten Stadtgeschichte. Geführt wurden die Stadträte von Stadtarchivar Manfred Schneider, der seit 1999 diese Amt in tiefer Abgeschiedenheit in gut gekühlten Temperaturen aber dennoch unverdrossen und mit akribischer Leidenschaft begleitet. Schon Werner Zapotetzky bezeichnete im Jahre 1986 die Unterbringung im Keller des neuen Rathauses als « Notlösung » - seither hat sich nichts verändert.

Insgesamt stehen in den Räumen des Stadtarchivs 542 Regalmeter zu Verfügung, die mittlerweile alle belegt sind. Die baulichen Gegebenheiten für das Archiv stellen sich als denkbar ungeeignet dar. Vor allem die überall offen liegenden Versorgungsleitungen für Heizung und Wasser sind eine ständige Gefahr für die teilweise wertvollen Buchbestände und Protokolle. Fraktionsvorsitzender Hans-Joachim Stadtmüller als Mitglied des Bauausschusses sieht hier dringenden Handlungsbedarf. Stefan Rümmer sieht die Unterbringung unterhalb des Foyers des Rathauses unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsbedingungen als eine Zumutung.

Durch die Übernahme der Akten aus den Stadtteilen und aus der Registratur, die nach 30 Jahren ins Archiv wandern, steht der Stadtachivar vor nahezu unlösbaren Aufgaben. Martha Bolkart-Mühlrath staunte, dass auch viele Bürger mit Nachlässen den Bestand des Archivs ergänzen und komplettieren. So wächst das Stadtarchiv unaufhörlich. Für Harald Schneider ist es unabdingbar, dass in naher Zukunft neuer Raum für den bisherigen Bestand geschaffen wird. « Das bauliches und sicherheitstechnische Erscheinungsbild der Archivräume in Karlstadt stehen im grassen Gegensatz zur vorbildlich sanierten mittelalterlichen Altstadt, » so Schneider. Bereits im Jahr 2011 wurden die Unterbringungsbedingungen von Frau Dr. Ingrid Heeg-Engelhart vom Staatsarchiv Würzburg bei einer Inspektion massiv kritisiert. Frau Heeg-Engelhart schrieb damals an die Stadt : « …Eine Stadt wie Karlstadt mit einer bedeutenden Vergangenheit und großen Söhnen (Bodenstein, Drach, Glauber) sollte ihr Archivgut besser und angemessener unterbringen. » Ortssprecher Marco Netrval und die anwesenden Stadträte waren sich einig, dass eine Entscheidung über die weitere Unterbringung des Stadtarchivs nicht auf die lange Bank geschoben werden darf. Die Stadtratsfraktion möchte baldmöglichst im Kulturausschuss über das Thema sprechen und dann im Stadtrat ein Entscheidung herbeiführen. Durch die vollkommen unzureichende Unterbringung des Stadtarchivs scheiterte letztendlich auch die Übernahme des Archivs der alten « Karlstadter Zeitung » , die von Jean Dietz herausgegeben wurde. Für die SPD ist es denkbar, dass das Archiv aus dem neuen Rathaus ausgelagert und in städtische Räume in der Altstadt umzieht oder in einem Anbau am Rathaus seinen Platz finden könnte.